Talaq, Talaq, Talaq

ALL INDIA RADIO BROADCAST PROGRAM – “BHARAVASEYA BELAKU”

zum Thema

„Tripple Talaq – Muslimische Frauen geraten in einen Teufelskreis aus Ehe- und Scheidungsdiskussionen – Zwei Opfer erläutern ihre Erfahrungen mit der Sofort-Scheidung“.
„Talaq“ bezeichnet die Praxis sich durch die dreimalige Ausprache dieses Wortes scheiden zu lassen. Indien war das einzige Land, in dem „Talaq“ legal war, bis es 2017 vom Supreme Court als verfassungswiedrig erklärt wurde. „Talaq“ lässt die Frauen ohne dauerhaften Unterhaltsanspruch und Mitspracherecht in dem Prozess.

Teilnehmende:
Frau Sara Abubakar, Schriftstellerin und Frauenrechtsaktivistin
Frau Sahira, Kannada Dozentin
Frau Dr. Mamtaz, Ayurveda Ärztin
Frau Devika, Sozialarbeiterin des Prajna Counselling Centre und Moderatorin der Radiosendung

Devika: Herzlich Willkommen zu Prajna Counselling Centre’s Bharavaseya Belaku Radio Programm.

Wir wissen durch viele Geschichten unserer muslimischen Schwestern, dass sie des Öfteren Diskriminierungen ausgesetzt sind und um Gerechtigkeit gegen diese Genderdiskriminierung bitten. In den letzten Tag kamen sie diesem Wunsch einen Schritt näher, da der Supreme Court den Triple Talaq als illegal erklärte. Um dies zu zelebrieren, sitzen nun in unserem Studio zwei muslimische Schwestern, Frau Sahira und Frau Dr. Mamtaz, die unter dem Triple Talaq leiden mussten und die ihre Erfahrung mit den ZuhörerInnen teilen möchten. Des Weiteren haben wir die sehr bekannte Schriftstellerin, Dr. Sara Abubakar, die mit ihrer ersten Novelle “Chandra Giriya Thiradalli” (Am Ufer des Chandragiri Flusses) in der Kannada Literatur erfolgreich wurde, in unserem Studio zugegen. Ihre Novelle behandelt die Thematik des Triple Talaq und dessen grausamen Gesichter.
Ich begrüße alle herzlich zu unserem heutigen Programm.

Zu Beginn wird uns Sahira, die eine Dozentin für die Sprache Kannada an einer angesehenen Institution in unserem Distrikt ist, ihre Lebenserfahrung in Bezug auf Triple Talaq erläutern.

Sahira (Name geändert): Nach meinem Hochschulabschluss und vor meiner Hochzeit arbeitete ich als Dozentin für die Sprache Kannada. Vor etwa 10 Jahren wurde ich dann mit einem Mann verheiratet, der der muslimischen Gemeinschaft im Bundesstaat Goa zugehörig ist. Gemeinsam mit ihm habe ich eine Tochter, die mittlerweile 8 Jahre alt ist. Doch die letzten zweieinhalb Jahre verbrachte sie nicht mit mir, sondern mit meinem Ehemann. Die gesamte Familie meines Ehemanns beläuft sich auf 13 bis 15 Personen, die zusammen in einem Haus leben, wobei zwei von diesen Personen nicht mal Verwandte sind. Meine Ehe war eine arrangierte Ehe. Getreu unseres Brauches erwartete die Familie meines Mannes eine Mitgift von 400 Gramm Gold. Doch ich konnte nur 136 Gramm Gold mitbringen.

Im Haus meines Mannes war ich für all die Hausarbeiten zuständig. Außerdem haben mein Ehemann und seine Eltern mich dazu genötigt mein originales Schulzeugnis, meinen indischen Identifikationsausweis, meine Voter ID usw. an sie auszuhändigen.
Nach zwei Monaten Ehe wurde ich schwanger. Doch zu jener Zeit befand sich mein Gesundheitsstatus in keinem guten Zustand. Ich verlor sehr viel Gewicht und auch mein Hämoglobinwert war sehr gering. Jedoch schickten mich mein Ehemann und seine Eltern auch in diesem Zustand noch zur Arbeit. Ich bat zu meinen eigenen Eltern zu gehen, doch sie erlaubten mir dies nicht. Als ich im vierten Monat schwanger war, rief ich meinen Bruder an und sagte ihm, dass er mich schnellstmöglich nach Hause bringen solle, sonst würde ich Gift nehmen und Suizid begehen. Am nächsten Tage erschien er und brachte mich zurück zum Haus meiner Familie, wo ich die kommende Zeit unterkam. Im siebten Monat meiner Schwangerschaft verschlechterte sich mein Gesundheitszustand weiterhin drastisch, weshalb ich ins nächstgelegene Krankenhaus eingeliefert werden musste. Ich hoffte, dass mich mein Ehemann während meiner Behandlung besuchen würde, doch als ich zudem versuchte ihn telefonisch zu erreichen, fand er immer wieder Gründe mich nicht zu besuchen, da er aufgrund seiner Arbeit Zeit in Mumbai, Pune usw. verbringen musste. Auch im neunten Monat Schwangerschaft verschlechterte sich meine Gesundheit nochmals, so dass ich erneut ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Ich befand mich in einem kritischen Zustand, weshalb der Arzt meinen Ehemann um eine Unterschrift zu einer lebensnotwendigen Operation bat. Am 22. Tag des Monats brachte ich eine Tochter zur Welt und nach 48 Stunden kam auch mein Mann für 3 bis 4 Tage zu Besuch. Ich verbrachte nach der Geburt meines Kindes die kommenden zwei Monate im Haus meiner Eltern. Dort zugegen erfuhr ich von den finanziellen Problemen meiner Familie, weshalb ich meine Goldkarte an eine Freundin verkaufte. Das dadurch erlöste Geld gab ich meiner Mutter, damit sie die alltäglichen Ausgaben bezahlen konnte. Nach meiner Entbindung stellte außerdem mein Bruder eine Frau aus der Nachbarschaft ein, um für mich und mein Kind zu sorgen. Um ihr Gehalt zu bezahlen, verkaufte ich meinen Goldring, den ich einst von meiner Schwester geschenkt bekam. Als meine Tochter schließlich drei Monate alt war, ging ich zurück nach Goa ins Haus meines Ehemannes.

Vor Ort war niemand, der sich um mich und mein Kind kümmerte. Ich arbeitete komplett allein im Haushalt und sorgte gleichzeitig für mein Kind. Als sie ein Jahr alt war, besuchten wir aufgrund der Hochzeit meines Bruders erneut mein Elternhaus. Nachdem ich von dort wieder zurück nach Goa kehrte, begannen meine Verwandten mich zu foltern und mir vorzuwerfen, dass ich im Gegensatz zu meiner Schwägerin, die 800 Gramm Gold in die Familie brachte, lediglich 120 Gramm Gold gab.
Daraufhin begann ich als Lehrerin in einer Schule in der Nähe des Hauses meiner Schwiegereltern zu arbeiten. Da es eine Privatschule war, verdiente ich allerdings nur wenig Geld. Aufgrund dessen musste ich am Nachmittag noch einen weiteren Job in einem Waisenheim ausführen. Beide Tätigkeiten brachten mir 5500 Rupien.
Insgesamt lebte ich sechs Jahre gemeinsam mit meinem Ehemann, von denen ich vier Jahre arbeitete. Meine Schwiegerfamilie war sehr groß und alle MitgliederInnen mussten Geld für die alltäglichen Ausgaben entbehren. Als mein Mann dazu nicht in der Lage war, musste ich für ihn einspringen und mein Gehalt ebenso für ihn in die Familienkasse einzahlen. In diesem Zeitraum litt mein Mann außerdem an Nierenversagen, weshalb er zur Behandlung ins Krankenhaus gehen musste. Ich spendete all mein Gespartes für diese Behandlung. Nach einiger Zeit stellte ich fest, dass eine andere Frau ihn oftmals im Krankenhaus besuchte. Als ich ihn danach fragte, antwortete er, dass sie eine Geschäftspartnerin wäre. Ich glaubte ihm. Nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen wurde, feierte er gemeinsam mit seinen Freunden und dieser Frau am 15. Januar seinen Geburtstag. Des Weiteren telefonierten die beiden sehr oft. Doch als ich ihn auch danach fragte, gab er mir sinnvolle Gründe für die Anrufe. Ich glaubte ihm all dies. Eines Tages sendete die Frau eine Nachricht an mein Telefon. Sie bat um ein Treffen mit mir und informierte mich währenddessen über die Beziehung zwischen ihr und meinem Ehemann. Und dass sie schwanger sei. Als ich daraufhin meinen Ehemann um eine Erklärung bat, bestätigte er alles. Ich war schockiert und bettelte meinen Mann an, dass dies alles nur Lügen wären. Ich sorgte mich sehr. Nach dieser Situation blieb ich noch weitere zwei Monate in Goa und arbeitete weiterhin als Lehrerin. Ich sprach über meine Sorgen und diesen Vorfall mit zwei Kollegen, die mir sagten, dass mein Mann mich betrügen würde und ich nicht länger bei ihm bleiben solle. Im Anschluss daran entschloss ich mich zurück in meine Heimatstadt zu gehen. Gemeinsam mit meinem Mann und meinem Kind kehrte ich nach Mangalore zurück. Doch nach wenigen Tagen, in meiner Abwesenheit, ging mein Mann wieder mit meiner Tochter nach Goa. Dies geschah nicht mit meiner Zustimmung. Ich versuchte ihn unmittelbar anzurufen und nach meiner Tochter zu fragen. Während der Anrufe bestätigte er mir, dass er mein Kind zu mir zurück bringen würde, was jedoch nicht geschah. Aus diesem Grund ging ich mit meinem Bruder nach Goa und setzte eine Klage in der Polizeistation in der Nähe des Hauses meines Mannes gegen ihn auf. Der Vater meines Ehemannes besuchte anschließend die Polizeistation und redete auf meinen Bruder ein, um das Problem durch wechselseitige Übereinkunft zu lösen. Das Treffen geschah in Anwesenheit der FamilienmitgliederInnen meines Mannes, meines Bruders und mir. Als Ältester der Familie meines Mannes, bat mein Schwiegervater meinen Ehemann Triple Talaq zu sagen und damit die Sofort-Scheidung einzugehen. Früher, als ich noch im Haus meines Mannes lebte, übte mein Schwiegervater Gewalt aus und folterte mich psychisch aufgrund meiner Mitgift. Die Reaktion meines Mannes in Bezug darauf war sehr kalt und er schien sich nicht wirklich um die Situation in seinem Haus zu kümmern. Für mich gab es keine Hoffnung mehr, dass diese Ehe weiterhin bestehen würde.

Deshalb entschied ich mich den Fall gerichtlich anzugehen und um mein Kind zu kämpfen. Doch das Sorgerecht für meine Tochter wurde mir zunächst nicht bestätigt. Es war sehr schwierig für mich zu jeder Anhörung nach Goa zu reisen, weshalb ich beim Supreme Court anfragte, ob der Fall in meine Heimatstadt verlegt werden könne. Es wurde bestätigt. Im Zuge dessen entschied ich mich ebenfalls die Scheidung zu meinem Ehemann einzureichen. Das Gericht veränderte außerdem die Geburtsurkunde meiner Tochter. All jener Kampf um das Sorgerecht beeinflusste mich emotional und brachte mich in Depressionen, weshalb ein Freund mir den Rat gab ein weiteres Ziel im Leben zu verfolgen. Ich entschied diesen Rat anzunehmen und Frau Philomina, eine Lehrerin, half mir wieder einen Job als Dozentin anzutreten. Ich arbeitete erneut als Lehrkraft und bekam ein monatliches Gehalt von 5500 Rupien. Obwohl ich keine ausreichende Qualifikation besaß, durfte ich in der Grundschule meine Tätigkeit ausführen. Während ich mit den jungen SchülerInnen zusammen war, musste ich oft an meine Tochter denken und in Tränen ausbrechen. Zur dieser Zeit schlug mir ein wohlwollender Freund vor, eine NET Ausbildung, zu bestreiten. Am selben Tag der Bewerbung erhielt ich außerdem meine Scheidungspapiere. Es war eine wirklich harte Zeit für mich. Doch ich nahm die Herausforderung an. Ich studierte hart und absolvierte den NET Abschluss. Danach fühlte ich mich das erste Mal sehr glücklich und war sehr stolz über meine Ergebnisse, die ich sofort meinen wohlwollenden Freunden und UnterstützerInnen mitteilte. Nun bin ich eine Kannada Dozentin in einer angesehenen Institution. Nun erhalte ich Anerkennung für meine Arbeit. Ich bedanke mich sehr bei dem Prajna Counselling Centre und all den UnterstützerInnen die mir auf dem Weg zu diesem Erfolg halfen.

Devika: Danke Sahira. Nun wird uns eine praktizierende Ayurveda Ärztin ihre Erfahrungen mit Triple Talaq berichten.

Dr. Mamtaz (Name geändert): Ich bin eine Ayurveda Ärztin und ich heiratete im Jahr 2014 einen muslimischen Mann, der in Dubai arbeitet. Bereits einen Monat nach unserer Hochzeit ging er zurück nach Dubai und aufgrund unserer muslimischen Tradition zog ich in das Haus meines Ehemannes ein. Jedoch schon nach meinem Einzug erlaubte mir mein Schwager nicht meiner Berufung nachzugehen. Er nötigte mich dazu, Hausarbeiten wie beispielsweise Waschen oder Fegen etc. zu erledigen. Außerdem zwang mich meine Schwiegermutter dazu, ihre Hausfrau zu sein und nicht eine Ärztin. Mein Schwager nötigte mich zudem, Geld aus dem Haus meiner Eltern zu bringen. Mein Ehemann überwies sein Gehalt regelmäßig auf das Konto meines Schwagers und ich musste durchweg meinen Schwager um Geld für meine alltäglichen Besorgungen, wie z.B. Seife, Handyaufladungen usw. fragen. Er verwaltete mich und mein Geld. Die gesamte Familie im Haus behandelte mich nicht als ihre Tochter. Sie behandelten mich als weibliche Servicekraft. Sie versuchten mich zu kontrollieren und auf jede Art und Weise einzuschränken. Ich verlor all meine Unabhängigkeit und mein Schwager zeigte mir 24 Stunden eines jeden Tages sein rüpelhaftes Verhalten. Er lud des Öfteren seine Cricket Freunde zu Besuch ein und forderte von mir, ihnen Essen sowie Getränke zu servieren. Auch der Vater meines Mannes trat mir trotz seines hohen Alters nicht mit Respekt gegenüber. Meine Schwägerin besuchte uns einst zu Hause und beauftragte mich nicht zur Arbeit zu gehen, sondern mich um die Älteren der Familie zu sorgen. Sie erlaubten mir ebenso nicht meine Eltern zu besuchen. Insbesondere als ausgebildete Ärztin ist es schwierig, diesen dummen Arbeitsaufträgen meiner Schwiegerfamilie sowie dem permanentem Kochen und Waschen von Geschirr und Klamotten etc. nachzugehen. Diese mentale Quälerei und Atmosphäre in jenem Haus hat mich psychisch zerstört. Weiterhin musste ich allein in einem Raum sein, wo sie durch dauerhaftes Klopfen an die Tür und bösen Schimpfwörtern Unruhe stifteten. Auch mein Gold, welches ich von meinen Eltern zu meiner Hochzeit bekommen hatte, befand sich in der Obhut meiner Schwiegermutter. All diese Unruhen sowie Spannungen sorgten dafür, dass ich in dem Haus nicht gut schlafen konnte. Eines Tages riefen sie in meiner Anwesenheit meinen Ehemann an und informierten ihn darüber, dass ich gegen all die FamilienmitgliederInnen kämpfen würde und dass ich Egoprobleme hätte. Mein Mann glaubte ihnen und gab mir nicht einmal die Chance ihm meinen Kummer mitzuteilen. Er befahl mir zu meinen Eltern zu gehen. Nach drei Monaten besuchte er Indien aus Dubai und teilte mir nicht mit, dass er sich in Indien befinden würde. Dennoch erhielt ich Nachricht über seinen Besuch und ging zu seinem Haus, wo ich auf meinen Schwiegervater traf. Er sagte mir, dass niemand zu Hause sei und dass auch heute niemand mehr kommen würde. Er schickte mich zurück zu meinen Eltern. Am selben Abend, nachdem mein Vater von der Arbeit kam, besuchte ich gemeinsam mit ihm das Haus meines Ehemannes und seiner Familie. Ein Treffen war dafür vereinbart. Mein Mann befahl mir im Haus seiner Eltern so leise wie ein Hund zu sein und er erlaubte mir nicht meine Berufung weiter auszuüben. Um weiterhin mit ihm verheiratet zu sein, sollte ich zu Hause sein und all die Haushaltstätigkeiten, die von mir gewünscht und gefordert wurden, durchführen. Er war nicht dazu bereit, mich mit zu ihm nach Dubai zu nehmen. Doch ich lehnte alle Bedingungen ab und kehrte zurück ins Haus meiner Eltern. Es wurde ein Termin für ein weiteres klärendes Gespräch ausgemacht, an dem mir meine Schwiegerfamilie offenbarte, dass ich 15 Tage im Haus meiner Eltern und 15 Tage im Haus meines Mannes verbringen dürfe. Des Weiteren erlaubten sie mir meinen Beruf wieder auszuführen. Aber sie wollten durchweg ein Auge auf mich und meine Tätigkeiten haben. Im Zuge dessen quälten sie mich dennoch weiter. In einer folternden Situation platzen aus mir die Worte heraus, dass ich mich umbringen würde, wenn sie mich weiterhin quälen würden. Aufgrund dessen brachten sich mich ins nahgelegene Krankenhaus und riefen meinen Vater an. Nachdem ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, ging ich zurück ins Haus meines Ehemannes. Aber seine Familie war nicht dazu bereit, mich erneut aufzunehmen. Daraufhin entschied ich eine Klage bei der Polizei einzureichen. Doch die Polizei wollte mir nicht helfen und riet mir diese Art von Sachlage direkt mit der Familie zu klären. Sie wollten mir das Klagedokument nicht aushändigen und bestellten meinen Schwiegervater zur Polizeistation. Nachdem sie meinen Schwiegervater warnten, setzten sie einen Brief samt Warnung sowohl für meinen Ehemann als auch für all die MitgliederInnen meiner Schwiegerfamilie auf. Diese Warnung beinhaltete, dass wenn sie mich jemals wieder quälen würden, eine Klage gegen sie folgen würde. Alle mussten die in Kenntnisnahme der Warnung mit ihrer Unterschrift bestätigen. Nach diesem Vorfall reiste mein Mann zurück nach Dubai. Diesmal gab er mir nicht einmal eine Kontaktnummer. Deshalb suchte ich aus dem Internet die Dienstnummer seines Ladens heraus und versuchte ihn auf diesem Weg zu erreichen. Zu jener Zeit kam ich zu dem Wissen, dass er gar nicht der Inhaber des Ladens sei – dass er leidglich ein Verkäufer in diesem Laden sei. Bei einem Anrufversuch ging er ans Telefon, aber er wollte nicht mit mir telefonieren. Nachdem daraufhin drei Monate vergangen waren, sendete mein Mann durch einen Anwalt Scheidungspapiere im gegenseitigen Einvernehmen. Aber ich war zu diesem Zeitpunkt noch nicht für die Scheidung bereit –wie könne dies also gegenseitiges Einvernehmen sein? Gemeinsam mit meinem Vater besuchte ich einen Anwalt, der mir zeigte, dass die Sachlage sich als sehr heikel erwies und mir vorschlug zunächst nicht darauf zu reagieren. Wir taten das, was uns der Anwalt riet. Nach einigen Wochen entschied ich mich meinem Ehemann von Angesicht zu Angesicht entgegen zu treten. Da eine meiner Cousinen ebenfalls ihren Mann in Dubai besuchen wollte, planten wir unsere Reise gemeinsam dorthin. Als ich meinen Mann im Laden in Dubai heimsuchte, wollte er mich nicht einmal wahrnehmen. Jedoch kam ich im Haus eines Freundes meines Mannes unter, wo er mich dazu zwang wieder zurück nach Indien zu gehen. Gemeinsam kehrten wir anschließend auch heim. Doch bereits zehn Tage nachdem wir wieder in Indien waren, am 13. Januar 2014, sendete er mir Triple Talaq auf postalischem Weg. Ich hatte einst den Traum von einem eigenen Zuhause, einer Familie und einem Ehemann. Aber all diese Träume waren durch das Erlebte verflogen. Ich hatte psychisch, insbesondere durch diese Ehe und durch das Talaq, einige Lasten mit mir herumzutragen. Das, was mir widerfuhr, ist das Schlimmste, was Mädchen in meiner Gesellschaft passieren kann. Für viele muslimische Frauen ist dies nicht nur ein emotionales Problem, sondern auch ein Finanzielles.

Devika: Vielen Dank Dr. Mamtaz. Nun werden wir die in der Kannada Literatur bekannte Schriftstellerin Dr. Sara Abubakar anhören. Sie ist bekannt für ihren feministischen Blickwinkel, weshalb sie insbesondere ihre Eindrücke über das Triple Talaq in Bezug auf Religion und dessen Konsequenzen erläutern wird.

Dr. Sara Abubakar: In unserer muslimischen Religion ist Triple Talaq nicht einmal beschrieben. Mohamad Paigambars Worte wurde allesamt mündlich überliefert und erst 100 Jahre nach seinem Tod wurde daraus der Koran geschrieben. Aufgrund von Kriegen zu jener Zeit waren Frauen sowie Kinder in einer prekären Lage. Ein Mann verwahrte oftmals bis zu 20 Frauen und dominierte sowie schikanierte sie ganz nach seinen Wünschen. Nachdem der Heilige Paigambar dies eine gewisse Zeit lang beobachtet hatte, entschied er eine Lösung für die Probleme der Frauen und Kinder zu finden. Er wollte deren Sorgen ein Ende bereiten und eine Scheidungsmöglichkeit auf gegenseitigem Einverständnis kreieren. Beide, sowohl Ehefrau als auch Ehemann, sollten außerdem die Option einer erneuten Heirat erhalten. Für das gegenseitige Einverständnis für die Scheidung gab er drei Monate Zeit. Während dieser drei Monate sollten beide Ehepartner dennoch zusammenleben und die Chance nutzen, doch noch ihre Ehe zu retten. Wenn es jedoch nicht möglich war die Ehe weiterzuführen, konnte Talaq nach einem weiteren Monat Pause gesagt werden. Eine weitere Bedingung dafür war, dass der Talaq nur gültig wäre, wenn während dieser drei Monate des Zusammenlebens und des Monats Pause keine sexuellen Aktivitäten durchgeführt werden würden. Andererseits hätte die Prozedur von vorne beginnen müssen.

Allerdings befindet sich in unserem Heiligen Buch keine Erklärung für Talaq. Zur heutigen Zeit ist Triple Talaq definitiv eine bedeutende Angelegenheit für unsere Frauen. Muslimische religiöse Anführer mit einem patriarchalischen Gedankengut formten diese Shariath Gesetze ganz nach ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen. In unserer Religion hat Polygamie auch verschiedene Bedingungen und Gründe.
An den kriegerischen Tagen sah der Prophet Mohammad die prekären Zustände von Witwen und Kindern nach dem Tod ihrer Männer und Väter. Um diesen Sicherheit zu geben, wurde es Männern, die eine zweite Frau heiraten wollten, möglich eine Witwe ebenfalls zur Frau zu nehmen. Auf diesem Weg konnten Männer bis zu vier Frauen in die Ehe tragen. Aber seit 1937, dem Muslimischen Persönlichen Gesetz, ist niedergeschrieben, dass muslimische Männer vier oder fünf Frauen heiraten können, jedoch die fünfte Hochzeit nur erlaubt sei, wenn eine der anderen Frauen ihn dafür verlassen würde. Vier Frauen dürfen also zur selben Zeit bei sowie mit einem Mann leben. Meistens muss die Älteste ihn verlassen. Dieses Gesetz kam eigentlich zustande, weil es im Jahr 1920 Frauen nicht erlaubt war, sich von ihrem Ehemann scheiden zu lassen. Aufgrund dieser schlechten Situation waren Frauen oftmals sogar bereit zu einer anderen Religion zu konvertieren, um den Mann zu heiraten, den sie wollten. Aus diesen Gründen erwachten die männlichen Muslime und stellten fest, dass eine Scheidung sowohl für Männer als auch für Frauen sowie eine weitere Heirat innerhalb ihrer Religionszugehörigkeit für beide Geschlechter möglich sein müsse. Doch unsere Frauen litten sehr unter dem mündlichen Talaq, welches von Männern oft aufgrund von dämlichen Gründen ausgesprochen wurde.

Drei muslimische Frauen in Indien entschieden sich deshalb den dreijährigen Kampf gegen Triple Talaq anzugehen und beim Supreme Court für eine Änderung einzutreten. Und dieser lange Weg bewährte sich schlussendlich für gut. Der Supreme Court erklärte Triple Talaq für illegal, wenn die vorherige Prozedur nicht vollständig durchführt wurde.
Diese Frauen fragten außerdem nach einer Unterhaltsauszahlung nach einer Scheidung. Doch die patriarchalischen Gedankengüter unserer männlichen Gruppe und vor allem die muslimisch religiösen Anführer sprachen sich dagegen aus. Ihre Argumente dagegen beriefen sich darauf, dass eine Auszahlung an die Frau nach der Scheidung nirgends in ihrer Religion festgesetzt sei. Doch eigentlich ist dem so. Talaq ist definitiv eine große Schikane für muslimische Frauen und wir erheben Einspruch gegen mündlich ausgesprochenen Talaq. In Pune im Bundesstaat Maharastra, gründeten 40 Frauen unter der Führung von Frau Saidabai eine Organisation, die ihre Stimme gegen Triple Talaq in gesamt Indien erhebt. Viele Frauen mussten unter Triple Talaq leiden, teilen ihre grausamen Erfahrungen darauf bezogen mit und kämpfen für Unterhaltsauszahlungen. Frau Shahabanu, ein Opfer des Triple Talaq, hat vor dem Supreme Court für ihren Unterhalt gekämpft und wurde vom Gericht bestätigt. Allerdings übten im Nachhinein PolitikerInnen und muslimische Männer Druck auf den Staat aus, das Gesetz wieder abzuändern und ihre Unterhaltszusicherung wieder zu entziehen. Mit Hilfe von Gewalt nahmen sie außerdem Frau Shahabanus Unterschrift, dass sie die Unterhaltszahlung nicht befürwortet.
Dennoch haben unsere muslimischen Frauen nun Hoffnung, dass die momentane juristische Richtung des Supreme Court Indiens zum Triple Talaq bestehen bleibt.

Devika: Ich danke hiermit allen Beteiligtinnen für das im derzeitigen sozialen Kontext sehr notwendige und informative Programm.

 

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